
Die
anderthalb Kilometer südlich von Ermsleben gelegene Konradsburg, am
nordöstlichen Harzrand, gehört mit dem um 1200 errichteten Chor zu den
bedeutendsten Monumenten der Spätromanik im Harz.
Zu verdanken ist die Berühmtheit vor allem der reich gestalteten
Krypta
mit ihren Pfeilern
und Säulen.
Weit zurück reicht die Geschichte der Burg; im 11. Jahrhundert war sie
die Stammburg der Edlen von der Konradsburg.
Um 1120 wurde sie zugunsten eines neuen Wohnsitzes des „Falkensteins“
oberhalb des Selketals aufgegeben und
in ein Kollegialstift
umgewandelt, das schon bald von den Benediktinern übernommen wurde.
Mit
dieser Stiftung sollte der Mord an Adalbert von Ballenstedt gesühnt
werden.
Nach den Stürmen des Bauernkrieges 1525 gaben die seit 1476
dort lebenden Kartäusermönche das Kloster auf.
Die derzeitige Bebauung ist die Folge einer landwirtschaftlichen
Nutzung als Domäne.
Für den heutigen Besucher ist die einstige
Klosterkirche, errichtet um 1200 von den Benediktinern, ein
eindrucksvolles Bauwerk an der „Straße der Romanik“. Erhalten blieb ein
Teil des Querhauses und der schlichte Chor.
Eine Kostbarkeit besonderer Art ist das an der Westwand des
Sanktuariums befindliche Kruzifix.
Nach einer langen wechselvollen
Geschichte fand es im Mai 2001 hier eine neue Heimstatt.
Das
Konradsburger Kruzifix zählt zu den großartigen Werken der Gruppe der
Sächsischen Großkreuze.
Sie zählen zu den großen Kunstleistungen der
sächsischen Kulturlandschaft zu Beginn des 13. Jahrhunderts.
Ein in der
Nordwand des Chores eingelassenes Steinrelief – es zeigt ein Paar in
Gebetshaltung – wurde erst im
Jahr 1931 aus der Nordscheune geborgen und an
seinen jetzigen Standort verbracht.

Der Höhepunkt einer jeden Besichtigung ist die schon erwähnte
fünfschiffige Hallenkrypta,
die zu den bedeutendsten Denkmalen der
spätromanischen Architektur des Harzes zählt.
Die reiche Gestaltung der Säulenkapitelle und die außerordentliche
Vielfalt der Formen
von Ranken- und Blattstengelornamentik, weisen auf
einen Einfluss aus dem französich-rheinischen Gebiet hin.
Eine Attraktion ganz anderer Art stellt das Brunnenhaus auf dem
Klosterhof dar. In den Jahren 1805/07 wurde es für die Wasserversorgung
der Burg für 140 Taler errichtet. Dabei wurde das Wasser mittels
Esel-Tretrad nach oben gefördert. Diese Methode wurde bis nach 1945
beibehalten.
Bis zum heutigen Tag funktioniert das seltene technische
Denkmal wie eh und je – nur den Esel – den gibt es nicht mehr.
Um die
Technologie genauer zu erkunden, müssen sich die Besucher selbst in das
Rad begeben; dabei wird jedem die Perfektion, aber auch die Mühsal des
Wasserholens, bewusst.
Engagierten Bürgern ist es zu verdanken, dass in den 80er Jahren der
Verfall aufgehalten werden konnte.
In mühevoller Arbeit konnte das
Bauwerk gerettet und den Besuchern zugänglich gemacht werden. Bis heute
ist der „Förderkreis Konradsburg e.V.“ hier engagiert.
Den Besuchern werden nicht nur sach- und fachkundige Führungen angeboten, auch ein Cafè und eine schwarze Küche stehen für die Gäste bereit. In Letzterem kann der Besucher zu besonderen Anlässen auch mittelalterliche Köstlichkeiten genießen. Viel Platz im Klosterhof macht die Konradsburg zu einem idealen Gelände gerade für Kinder.
1021 |
erste urkundliche Erwähnung. |
| 1120 | Zugunsten eines neuen Wohnsitzes wurde die Burg aufgegeben und im Laufe der Zeit in ein Kollegialstift umgewandelt. Damit sollte auch der Mord an Adelbert von Ballenstedt gesühnt werden. |
| 1133 | erfolgt die Errichtung eines Benediktinerklosters. |
| Um 1200 | Der Bau der St. Sixtus
Benediktinerkirche bezeugt eine
klösterliche Nutzung. Heute sind davon nur noch Teile des Querhauses, der Chor und die darunter liegende fünfschiffige Hallenkrypta vorhanden. |
| 1470/75 | In diesen Jahren verließen
die letzten Benediktiner die
Konradsburg. Das heruntergekommene Kloster war nicht mehr zu halten. |
| 1476 | Auf päpstlichen Erlass wurde es Kartäusermönchen aus Erfurt gestattet, sich auf der Burg anzusiedeln. |
| 1525 | Plünderung durch aufständische Bauern. In der Folge wird das Kloster von den Mönchen aufgegeben. |
| 1530 | Kardinal Albrecht von
Brandenburg gibt die Konradsburg an das
Neue Stift in Halle und später an seinen Kanzler Türk. |
| 1536-41 | Auf Befehl des Christoph
Türk wird der größte Teil der
romanischen Klosterkirche abgebrochen, um eine kleine Kapelle zu erhalten. |
| 1693 | Jetzt im Besitz der Herren
von Hoym, dient die Anlage als
Vorwerk des Wirtschaftshofes Ermsleben. Das Herrenhaus wird in ein schlichtes Verwalterhaus umgebaut. |
| 1713 | Der preußische Staat kaufte das Anwesen und führte eine Domäne. In dieser Zeit diente die kunstgeschichtlich bedeutende Krypta als Schweinestall. Die Oberkirche wurde als Futterboden verwendet. Die Folge war eine schwere Schädigung des Mauerwerkes. |
| 1804 | Neubau des Brunnenhauses. |
| 1833 | In Folge einer Harzreise
rückt ein Herr Dr. Carl Ludwig Inken
die Konradsburg in das Licht der Öffentlichkeit und besonders der Kunsthistoriker. Als Folge setzten wenig später Sanierungsarbeiten ein. |
| 1945 | Auflösung der Domäne und Ansiedlung von Neubauernfamilien. |
| seit 1983 | Regelmäßige Pflege- und
Instandsetzungsarbeiten durch eine
Bürgerinitiative. Damit konnte der drohende Verfall gestoppt werden. |
| 1996 | Die Burganlage geht in
großen Teilen in das Eigentum der
Stiftung über. An der Klosteranlage setzen umfassende Sanierungsarbeiten ein. |
| 2001 | Das schon um 1230 erwähnte
Triumphkreuz wird wieder in der
Klosterkirche aufgehängt. |


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