2017


Nr.: 5/2017
Halberstadt, 06. Juni 2017

„Facing-Technologie“ für Skulpturen im Dom Halberstadt

Praxisorientierte Vorversuche sowie Notsicherungen zur modellhaften
Fassungssicherung stark umweltgeschädigter und unrestaurierter,
mittelalterlicher Steinskulpturen mit Hilfe einer „Facing-Technologie“
im Dom Halberstadt

Ausgangspunkt
Der Dom St. Sixtus und St. Stephanus zu Halberstadt gehört zu den wichtigsten großen Kirchenbauten des französischen Kathedralschemas in Deutschland. Der Bau wurde cirka 1239 begonnen und konnte 1492 geweiht werden. In den folgenden Jahrhunderten wurde der Dom kaum baulich verändert. Auch heute besitzt er noch größtenteils seine ursprüngliche mittelalterliche Ausstattung, zu der auch die 14- farbig gefassten Steinskulpturen vor den Pfeilern des Hohen Chors gehören. Ihre Entstehung wird im Zeitraum zwischen 1425 bis 1475 angenommen. Diese Skulpturen sind bisher weitgehend unerforscht.

Ziel des Vorhabens ist die Sicherung dieses durch Umwelteinflüsse sehr stark geschädigten mittelalterlichen Skulpturenbestandes. Der hohe Anspruch und die Besonderheit an diese Aufgabe bestehen in dem völlig unrestaurierten Zustand sowie der äußerst fragilen Beschaffenheit der
Farbfassung der Skulpturen in Kombination mit einer massiven Verschmutzung. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen innovative Methoden modellhaft erprobt und weiterentwickelt werden, um deren Anwendung in die Praxis einzuführen und für ähnliche Fragestellungen zur Verfügung zu stellen. Offensichtliche Schadensbilder an den Skulpturen sind:

• Ablösen ganzer Fassungsbereiche vom Steingrund
• große Partien mit Fassungsverlusten
• Entfestigung der Fassung durch Bindemittelverlust
• Massive Verschmutzungen/Schmutzauflagerungen, zum Teil mit dem
Untergrund verbacken (Fassung und Stein)

Aus dem drohenden Verlust der originalen Fassung ergäbe sich allein ein
nicht wieder gut zu machender Verlust an originaler Substanz und
historischer Information.

Hauptanliegen des Projektes ist deshalb die Erforschung und Erprobung geeigneter Materialien und Technologien für dringliche Notsicherung der Farbfassungen auf den mittelalterlichen Natursteinskulpturen. Eine enge Verknüpfung von Wissenschaft, Forschung und Lehre mit den
praktischen Anforderungen am Objekt, wird durch die Einbindung dreier studentischer Qualifikationsarbeiten angestrebt.

Als besonders innovativer Aspekt soll in einer Kooperation mit der Bauhausuniversität Weimar der
Einsatz von unbemannten Fluggeräten zur Erstellung von 3D- Dokumentationsunterlagen erprobt
werden.Die Projektlaufzeit erstreckt sich über 36 Monate; Oktober 2016 bis Oktober 2019.

Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten Methoden
PHASE 1
Für den Gesamtbestand der Figuren sollen repräsentative Objekte ausgewählt werden, deren
Material- und Fassungsbestand sowie deren Schadensbilder modellhaft für weitere Skulpturen des
Gesamtbestandes sind. Dies beinhaltet ebenfalls die Erprobung der Innenraumbefliegung.
PHASE 2
An ausgewählten Skulpturen erfolgen grundlegende Voruntersuchungen auf deren Basis eine
übertragbare Herangehensweise für die Notsicherung der anderen Skulpturen am Dom, aber auch
modellhaft für andere Objekte erarbeitet werden soll. In dieser Phase steht die Frage eines „Facings“ im Mittelpunkt, das heißt es ist eine Art Schutzschicht bzw. Zwischenschicht im Sinne einer Kaschierung zu finden, die eine Fassungsfestigung und „Replatzierung“ erlaubt, aber den Verlust der Fassung durch direkte Berührung verhindert. Das Notsicherungskonzept wird erarbeitet.
PHASE 3
Im Rahmen einer ersten Notsicherung soll das modellhaft entwickelte Vorgehen am gesamten
Skulpturenbestand umgesetzt und fachlich überprüft werden. In dieser Phase ist ein Erfahrungsaustausch in Form eines Fachkolloquiums im Dom zu Halberstadt geplant.

Fördermittelgeber dieses Projekts ist die Deutsche Bundesstiftung Umwelt.
Die Gesamtkosten betragen etwa 300.000 €.
Fördersumme: 120.000€

Kooperationspartner:
• IDK – Institut für Diagnostik und Konservierung an Denkmalen in Sachsen und Sachsen-Anhalt e.V.
• Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Abteilung Bau und Kulturdenkmalpflege, Referat Denkmaluntersuchung
• Dipl. Restauratorin Corinna Grimm-Remus
• Bauhausuniversität Weimar
• Fakultät Bauingenieurwesen, Fakultät Bauingenieurwesen, Professur Modellierung und Simulation – Konstruktion, Normen Hallermann

Fachbeirat:
Technische Hochschule Köln, Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft
Prof. Dr. Regina Urbanek
Prof. Emeritus M.A. Gottfried Hauff, Potsdam


Nr.: 4/2017/BF
Falkenstein, 31. Mai 2017

Erneut Kunstgut-Fund auf Burg Falkenstein

25 Jahre nach der im März 1992 erfolgten spektakulären Bergung zahlreicher wertvoller Kunstgüter aus dem Versteck „Magdeburg“ wurden auf der Burg Falkenstein bei Bauarbeiten erneut verborgene
Kunstgegenstände aus dem Besitz der Grafen von der Asseburg entdeckt.
Bei den insgesamt 25 Stücken handelt es sich vor allem um Meißner Porzellan aus dem 19. Jahrhundert. Aufgefunden wurde aber auch ein vergoldeter Prunkkelch aus Silber, den Graf Friedrich von der Asseburg-Falkenstein (1861-1940) und seine Frau Margarete (1867-1945) von ihren Kindern im Mai 1912 zur Silberhochzeit als Geschenk erhielten. Außerdem konnten 18 Apotheker- bzw. Arzeneigefäße aus der Asseburger Familienapotheke geborgen werden, die teilweise noch verkorkt und versiegelt sind.
Die Fundorte befinden sich im Mittelgeschoss des alten Küchenhauses, unmittelbar unter dem heute museal eingerichteten Ritter- bzw. Speisesaal und neben einem Eingang zur früheren Wohnung des Burgkastellans, der die Stücke nach dem Zweiten Weltkrieg vermutlich dort versteckte.

In Verbindung mit der Präsentation des jahrzehntelang verborgenen Asseburger Kunstgutes lädt das Museum Burg Falkenstein zu einem Pressegespräch ein, an dem auch Louis Graf von der Asseburg,
Selena Gräfin von der Asseburg und Ferdinand Henkenius als Testamentsvollstrecker über den Nachlass des im August 2013 verstorbenen Friedrich Graf von der Asseburg teilnehmen werden.


Nr.: 3/2017
Leitzkau, 31. März 2017

Umfangreichere Aufgaben – neuer Name:
Aus der Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen-Anhalt wird die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt

Ab dem 1. April 2017 lautet der neue Name ‚Kulturstiftung Sachsen-Anhalt‘ Der alte Name stand für die Aufgaben der Stiftung bei ihrer Grün-dung, für Denkmalpflege und Bauerhalt in den Domen und Schlössern. Seitdem sind die Aufgaben und die Anzahl der anvertrauten Denkmale gewachsen. Zuletzt ging mit der Stiftungsstrukturreform des Landes Sachsen-Anhalt im Januar 2014 eine einschneidende Aufgabenerwei-terung einher. Spätestens ab diesem Zeitpunkt bildete der alte Name nur mehr einen Teil des umfangreichen Aufgabengebietes ab.

Zur heutigen Stiftung mit 18 Denkmalen aus 1200 Jahren gehören nicht nur die Dome und die Schlösser, sondern auch 4 mittelalterli-che Burgen, 2 Klöster, der einzigartige Domschatz Halberstadt, das Landeskunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), Musikakademie und Museum Kloster Michaelstein sowie das einzige Lyonel-Feininger-Museum der Welt.

Diese Bandbreite – historisch von den Ottonen bis zur klassischen Moderne, thematisch von Sammeln, Bewahren, Ausstellen im Museum über kulturelle Bildung und wissenschaftliche Forschung bis hin zu Musikausbildung und Konzertbetrieb – benötigt einen neuen Namen. Das bestätigten auch Besucherbefragungen im vergangenen Jahr. Und so heißt die Stiftung ab dem 1.4.2017 Kulturstiftung Sachsen-Anhalt.

„Der Name Kulturstiftung Sachsen-Anhalt würdigt die Dienstleistungen für eine Reihe anderer Stiftungen und fokussiert auf die besondere Bedeutung als größte Kulturstiftung des öffentlichen Rechts des Landes Sachsen-Anhalt, die entscheidend zur kulturellen Identität des Landes beiträgt“, so Staats- und Kulturminister Robra.

Alle Arbeitsgebiete der Stiftung finden sich in dem Namen wieder und rücken dadurch noch näher zusammen. Zugleich schärft die alte Stiftung mit neuem Namen [KST] ihre Identität auch nach außen durch ein neues Corporate Design, das die einzelnen Häuser und Einrichtungen durch das neue Logo der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt visuell verbindet.

Nachfolgend der Link zu unserem Imagefilm auf YouTube:

https://youtu.be/E5bIXpnHAVs


Nr.: 2/2017/LETZ
Letzlingen, 14. März 2017

Ein Aquarell von Conrad Freyberg für die Ausstellung im Jagdschloss Letzlingen – Präsentation anlässlich des 220. Geburtstages von Kaiser Wilhelm I.

Der vor 220 Jahren, am 22. März 1797, geborene spätere deutsche Kaiser Wilhelm I. gab 1881 bei dem von ihm sehr geschätzten Maler und Bildhauer Conrad Freyberg (1845-1915) das Gemälde „Hofjagd in Letzlingen“ in Auftrag, das anlässlich der „Kaiserjagd“ von 1882 im Speisesaal des Letzlinger Jagdschlosses aufgehängt wurde.
Freyberg galt als Spezialist für die Soldaten- und Pferdemalerei und verband sehr geschickt Porträtähnlichkeit mit eleganter Darstellung. Den Kaiser, der erstmals im Herbst 1845 zur Letzlinger Hofjagd gekommen war, malte er im hellen Jagdanzug als zentrale Figur einer fiktiven, aber sehr prominent besetzten Jagdgesellschaft.
Ebenfalls bei Conrad Freyberg bestellte Wilhelms Enkel, der ab 1888 regierende Kaiser Wilhelm II., ein weiteres Gemälde zum Thema „Hofjagd in Letzlingen“, auf dem er im Zentrum einer illustren Gästeschar zu sehen ist. Beide Gemälde befanden sich bis 1919 im Letzlinger Jagdschloss. Dann gelangten sie als Leihgabe in das Rittergut des Adolf von Dietze in Barby, dessen Großvater auf dem Gemälde von 1896 abgebildet ist. Seit 1945 werden sie vermisst. Kopien überlieferter Kupferätzungen, die von beiden Bildern existieren, präsentiert die Letzlinger Exposition seit ihrer Eröffnung im Januar 2001.
Nunmehr konnte die Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen-Anhalt ein von Conrad Freyberg signiertes, aber nicht datiertes Aquarell für die Ausstellung im Jagdschloss erwerben, das – so seine Bezeichnung – „Wilhelm II. auf der Hofjagd in Letzlingen“ im Mittelpunkt einer berittenen Jagdgesellschaft zeigt. Als Prinz von Preußen hatte Wilhelm II. 1879 erstmals an einer Letzlinger Hofjagd teilgenommen. Bis 1912 folgten aus diesem Anlass weitere 20 Jagdaufenthalte.
Unbekannt ist, auf welche Letzlinger Jagd sich die von Freyberg dargestellte Szene bezieht. Möglicherweise entstand das Aquarell im Zusammenhang mit dem Gemälde „Hofjagd in Letzlingen“, das Wilhelm II. bei dem Maler 1894 in Auftrag gab.
Der am rechten Bildrand in ein Parforcehorn blasende Jäger und die Hundemeute deuten auf eine bevorstehende oder beendete Jagd hin. Doch Parforcejagden fanden in der Heide nicht statt. So bleibt die Darstellung voller Rätsel, denn bisher konnten auch die offenbar im dunkelblauen Waffenrock des Regiments Gardes du Corps abgebildeten 24 Jagdgäste nicht identifiziert werden.
Gleichwohl ist Freybergs Aquarell eine schöne Geburtstagsgabe für Kaiser Wilhelm I., durch den seit Ende der 1870er Jahre die Letzlinger Hofjagd vor allem als „Kaiserjagd“ bekannt wurde. Am 13. November 1886 jagte der im 90. Lebensjahr stehende alte Monarch hier zum letzten Mal.


Nr.: 1/2017
Leitzkau, 01. Februar 2017

2016 haben insgesamt 548.933 Gäste die Baudenkmale der Stiftung Dome und Schlösser in
Sachsen-Anhalt besucht.

Das Jahr 2016 verzeichnete mit 264.410 Besuchern in den Museen der Stiftung Dome und Schlösser in
Sachsen-Anhalt gegenüber dem Vorjahr einen Anstieg der Besucherzahlen um 14,9 Prozent.
Besonders großen Zulauf erfuhr das Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) mit der Ausstellung „Magie des Augenblicks“ und kam insgesamt auf 75.236 Besucher, eine deutliche Steigerung von 58 Prozent. Konstant hohe Besucherzahlen verzeichnen Burg Falkenstein mit 75.250 Gästen und Schloss Neuenburg mit 56.149 Besuchern.

Exakt 20.775 Besucher kamen ins Museum Kloster Michaelstein, das ist eine Steigerung um 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Auch die Lyonel-Feininger-Galerie in Quedlinburg steigerte ihre Besucherzahlen auf fast 17.000, das sind über 2.000 Ausstellungsbesucher mehr als im Vorjahr.
Schloss Leitzkau, Hauptsitz der Stiftung, besuchten insgesamt rund 11.000 Gäste. Hauptanziehungspunkte waren Töpfer-, Advents- und Nachtflohmarkt.
Steigende Besucherzahlen meldet auch die von April bis Oktober geöffnete Ausstellung in Schloss Goseck, zur Bau und Wirkungsgeschichte in der Schlosskirche, mit knapp 5000 Besuchern.
Ebenso viele kamen in das einzige Hohenzollernschloss Sachsen-Anhalts, das Jagdschloss Letzlingen in der Letzlinger Heide.

Die Pächter der Konradsburg (18.646 Besucher) und von Schloss Plötzkau (2.750 Besucher) sind gut ausgelastet.
In die Eckartsburg ist nach Umbauarbeiten ein neuer Gastronom eingezogen, der den Betrieb ab Mitte März wieder aufnimmt.
In Schloss Bernburg und Schloss Köthen ist die Baudirektion der Stiftung mit anhaltenden Sanierungsarbeiten beschäftigt.

Die Gemeinden der im Eigentum der Stiftung befindlichen Dome gaben folgende Besucherzahlen an:
St. Mauritius und St. Katharina zu Magdeburg: 129.089 Besucher (2015: 132.430)
St. Marien zu Havelberg: 35.960 Besucher (2015: 268.135). Nach dem außerordentlichen Ergebnis aufgrund der Bundesgartenschau in 2015 entsprechen die Besucherzahlen im Dom zu Havelberg in 2016 wieder den Werten der Vorjahre.
St. Stephanus und St. Sixtus zu Halberstadt: 41.084 Besucher (2015: 50.000)
Besucher des Domschatzes Halberstadt: 27.994 Besucher (2015: rund 29.000)
Dom zu Halle: 29.000 Besucher (2015: 18.201)
Stiftskirche St. Pankratius in Hamersleben: ohne Zählung
Hierin eingeschlossen sind nicht die Besucher der Gottesdienste.